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  Benachbarte Gebiete      
               
    Dieser Bereich ist sehr ausführlich und mag auf den ersten Blick unstrukturiert erscheinen.
Er stellt banchbarte Gebiete vor, vieles, was mich doch äusserst erwähnenswert dünkt. Wer hier eintauchen will ist dazu eingeladen.


     
    a. Flow und Luxussportarten        
      Bei seiner Forschung fand Mihaly Csikszentmihalyi heraus, dass Menschen bei Freizeitaktivitäten, deren äusseres Zubehör oder Ausrüstung teuer waren, bei der Strom oder eine andere Energie benutzt wurde, wie Motorbootfahren, Autofahren oder Fernsehen, deutlich weniger glücklich waren, als bei einer unaufwendigen Tätigkeit. Am glücklichsten waren sie, wenn sie einfach mit einem anderen Menschen redeten, bei Gartenarbeit, Stricken oder bei einem Hobby. Zu all diesen Tätigkeiten braucht man kaum materielle Hilfen, doch sie fordern einen relativ hohen Einsatz an psychischer Energie. Bei Freizeittätigkeiten, zu denen bestimmte äussere Bedingungen gehören, braucht man gewöhnlich weniger Aufmerksamkeit und gewinnt als Folge allgemein weniger Belohnung, an die man sich später noch erinnert. [4, p.137]

       
    b. Geld und Glück        
      Ed Diener, ein Forscher an der Universität von Illinois, fand heraus, dass sehr reiche Menschen sich zu etwa zwei Dritteln ihrer Zeit glücklich fühlen, Menschen mit durchschnittlichem Einkommen zu etwa 62%. Dieser Unterschied ist statistisch gesehen zwar bedeutsam, aber nicht sehr gross, besonders, wenn man bedenkt, dass die Gruppe der sehr reichen“ aus der Liste der vierhundert wohlhabendsten Personen Amerikas ausgewählt wurden. Interessant ist auch, dass nicht einer in Dieners Studie glaubte, Geld allein garantiere Glück. Die Mehrheit stimmte der Aussage zu: „Geld kann Glück verstärken oder vermindern, je nachdem, wie man es nutzt.“
Norman Bradburn fand in einer früheren Studie heraus, dass die Gruppe mit dem höchsten Einkommen etwa 25% häufiger angab, glücklich zu sein, als die in der niedrigsten Einkommensschicht. Wiederum ein Unterschied, doch nicht sehr gross. In einer umfassenden Untersuchung mit dem Titel „The Quality of American Life“, die vor zehn Jahren veröffentlicht wurde, berichten die Autoren, dass die finanzielle Situation eines Menschen einer der unbedeutendsten Faktoren für allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben ist.[19]

       
    c. Joga und Flow        
     
Joga bedeutet in Sanskrit „verbinden“, was sich auf das Ziel dieser Methode bezieht, das Einzelwesen mit Gott zu verbinden, indem zuerst die verschiedene Körperteile miteinander in Beziehung gesetzt werden und dann der Körper mit dem Bewusstsein als Teil eines geordneten Systems koordiniert wird.
Um diese zu erreichen, schreibt der Grundtext des Joga, etwa vor fünfzehnhundert Jahren von Patanjali zusammengetragen, acht Stadien vor.
Yoga
Die ersten beiden Schritte der „moralischen Vorbereitung“ zielen darauf ab, die Einstellung des Menschen zu ändern. Man könnte es als das Ausrichten des Bewusstseins“ bezeichnen. Sie versuchen, psychische Entropie so weit wie möglich zu reduzieren, ehe die eigentlichen Versuche der geistigen Kontrolle beginnen.  In der Praxis heisst der erste Schritt yama, bei dem man sich von Handlungen und Gedanken befreit, die anderen schaden können – Falschheit, Diebstahl, Lust und Neid. Der zweite Schritt, niyama, heisst „Gehorsam“ oder das Befolgen von vorgeschriebenen Prozeduren in Sauberkeit, Fleiss und Gehorsam gegenüber Gott; dies hilft dabei, die Aufmerksamkeit in vorhersehbare Kanäle zu lenken und sie so leichter zu beherrschen. Die nächsten beiden Schritte beinhalten körperliche Vorbereitung, die Entwicklung von Gewohnheiten, die den Übenden oder Jogi befähigen, die Ansprüche seiner Sinne zu überwinden und sich zu konzentrieren, ohne müde oder abgelenkt zu werden.
Das dritte Stadium besteht aus der Übung verschiedener Asana, Sitzpositionen oder Haltungen über einen längeren Zeitraum, ohne Anspannung oder Ermüdung nachzugeben. Dies ist das Jogastadium, das im Westen bekannt ist, dargestellt von einem Burschen, der aussieht, als trüge er eine Windel, der auf dem Kopf steht und die Schenkel im Nacken gekreuzt hat.
Das vierte Stadium ist pranayama oder Atemkontrolle, die den Körper entspannen und den Atemrhythmus stabilisieren soll.
Das fünfte Stadium, der Angelpunkt zwischen den vorbereitenden Übungen und dem eigentlichen Joga, wird pratyahara genannt („Rückzug“). Hier lernt man, seine Aufmerksamkeit den äusseren Objekten zu entziehen, indem man die Sinnesorgane steuert und nur sieht, hört und fühlt, was man ins Bewusstsein einlassen will. Schon an diesem Stadium erkennen wir, wie ähnlich das Ziel des Joga dem der Flow-Aktivitäten ist - Kontrolle über das zu erreichen, was im Kopf geschieht. Die restlichen drei Stadien passen eigentlich nicht hierher– es geht dabei um die Kontrolle des Bewusstseins durch reine geistige Operationen statt körperliche Techniken. Wir wollen sie hier der Vollständigkeit halber besprechen, aber auch, weil diese geistigen Übungen fest mit den vorhergehenden körperlichen verbunden sind. Dharana, das „Beharren“,  ist die Fähigkeit, sich über lange Perioden hinweg auf einen einzigen Reiz zu konzentrieren. Es bildet daher das Spiegelbild des vorangegangenen pratyahara. Zuerst lernt man Dinge aus dem Bewusstsein herauszuhalten, dann, sie zu behalten. Intensive Meditation, dhyana, heisst der nächste Schritt.
Hier lernt man, das Selbst bei ununterbrochener Konzentration zu vergessen, die nicht mehr die äusseren Reize der vorherigen Phase erfordert. Schliesslich erreicht der Jogy Samadhi, den letzten Zustand von „Selbstversammeltheit“, wenn der Meditierende und das Objekt seiner Meditation eins werden. Jene, die Samadhi erreicht haben, beschreiben es als die grösste Freude ihres Lebens.
Die Ähnlichkeiten zwischen Joga und Flow sind ausserordentlich; es ist sogar sinnvoll, sich Joga als eine sehr sorgfältig geplante Flow-Aktivität vorzustellen. Beide zielen darauf ab, ein freudiges, sich selbst vergessendes Einssein durch Konzentration zu erreichen, die wiederum durch Körperdisziplin ermöglicht wird. [20]

       
    d. Flow und Kunst:  im speziellen: Musik        
      Zuhören bringt Flow, hören nicht. Ein Polizist erzählt: „Wenn ich nach einem Tag der Verhaftungen und Angst, erschossen zu werden, auf dem Heimweg nicht das Radio anstellte, würde ich vermutlich verrückt.“
Musik, organisierte auditive Information, hilft dem Verstand, der sich ihr zuwendet, sich zu organisieren, und reduziert daher psychische Entropie oder die Unordnung, die wir erleben, wenn zufällige Informationen mit unseren Zielen in Konflikt geraten. Musik hören wehrt Langeweile und Unsicherheit ab, und wenn man sich ihr ernsthaft widmet, kann sie flow auslösen.
Wie bei allem anderen muss man sich auf die Musik konzentrieren, um sich daran zu freuen.
Das Publikum bei heutigen Live-Vorstellungen, etwa Rock-Konzerten, erlebt in gewissem Ausmass diese rituellen Elemente. Es gibt nur wenige andere Gelegenheiten, bei denen so viele Menschen sich an einem Ort versammeln, das gleiche denken und fühlne und die gleich Information verarbeiten. Derartige gemeinsame Aktivitäten rufen im Publikum einen Zustand hervor, den Emile Durkheim „kollektives Sprudeln“ nannte, das Gefühl, man gehöre zu einer Gruppe mit konkreter, wirklicher Existenz, dieses Gefühl der Verbundenheit, das entsteht, wenn sich eine Gruppe von Organismen zu einem grösseren Ganzen formt, einen Schwarm bildet. Dieses Gefühl war nach Durkheim die Wurzel religiöser Erfahrungen. Die Bedingungen einer Live-Vorstellung helfen, die Aufmerksamkeit auf die Musik zu konzentrieren, und machen Flow daher bei einem Konzert wahrscheinlicher als beim Abspielen einer Schallplatte.
Jede Tonfolge kann zur Quelle von Freude werden, wenn man die Aufmerksamkeit auf sie richtet. Dem Yaqui-Zauberer brachte Carlos Castaneda bei, dass selbst die Pausen zwischen Tönen erhebend sein können, wenn man auf sie lauscht. [4, 149]
Das gleiche hat Sri Rainesh seinen Sanyasin als Meditationstechnik beigebracht.

Nichts anderes gilt für die anderen Künste, die Wahrnehmung im Allgemeinen und die Körperwahrnehmung im Speziellen. [4, 157f]

       
    e. Feedbackart        
      Interessanterweise ist die Art des Feedbacks nicht matchentscheidend.
Matchentscheidend ist, dass Feedback überhaupt kommt: [4,84]
Welchen Unterschied macht es, ob ich den Tennisball zwischen den weissen Linien aufprallen lasse, wenn ich den gegnerischen König auf dem Schachbrett matt setze, ob ich am Ende der Therapiestunde einen Funken von Verständnis im Blick meines Patienten aufblitzen sehe? Wertvoll wird diese Information durch die darin enthaltene symbolische Botschaft: Dass ich mein Ziel erreicht habe. Dieses Wissen schafft Ordnung im Bewusstsein und stärkt die Struktur des Selbst.
Eine gute Geschichte für die Bedeutung von Feedback [4, 85] ist aus den Reaktionen einer Gruppe blinder, frommer Frauen abzulesen, die Professor Fausto Massiminis Psychologenteam in Mailand interviewte. Wie die anderen Teilnehmer unserer Studien wurden sie gebeten, die schönsten Ereignisse ihres Lebens zu beschreiben. Für diese Frauen, von denen viele von Geburt an blind waren, war das am häufigsten erwähnte Flow-Erlebnis das Lesen eines Buches in Braille-Schrift, Betten, Handarbeiten, wie Stricken und Buchbinden, und einander bei Krankheit und anderen Notlagen zu helfen. Von den sechshundert Personen, die das italienische Team befragte, betonten diese blinden Frauen mehr als alle anderen die Bedeutung einer klaren Rückmeldung als Vorbedingung für Freude an einer Tätigkeit. Sie konnten nicht sehen, was rings um sie vorging, und wünschten sich mehr als sehfähige Menschen, zu wissen, ob das, was sie zu erreichen versuchten, tatsächlich gelang. [21]

       
    f. Negentropie        
      Negentropie wird auch negative psychische Entropie genannt.
Entropie ist Chaos, Unordnung.
Negative Entropie ist Ordnung, oder, da alles relativ ist: eine höhere Ordnung.
Entscheidungen (und Ausrichten auf die Entscheidung führen zu Negentropie.
Flow ist eng verbunden damit, Negentropie ist eine wichtige Vorbedingung (Reduce to the Max – Störungen fernhalten/ausschalten), und Flow selbst führt auch zu Negentropie während des Prozesses.
Negentropie bringt uns „aus dem Kopf“, und ermöglicht die Verbundenheit mit allem was ist.
Negentropie könnte auch beschrieben werden, als Fokus auf das Wichtige. Jetzt.
Diejenigen, die diesen Zustand erreichen, entwickeln ein stärkeres, selbstssicheres Ich, weil mit Erfolg mehr von ihrer Psychischen Energie in Ziele gesteckt wurde, die sie selbst ausgesucht haben.
Im weiteren führen häufige Flowerfahrungen zu übergeordneter Negentropie im Leben – im Sinne von:

Im Deutschen bekannt ist die Version:
  Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
   den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
   und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Im Englischen:
  God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
  courage to change the things I can,
  and wisdom to know the difference.

       
    g. Zeitwahrnehmung        
      Die Geschwindigkeit mit der die Zeit verstreicht, ist abhängig von der Absorption, also davon, wie zielgerichtet die Gedanken sind. [1,76ff].
Wenn man klarer denkt, dann verlangsamt sich die Zeit. Und wenn man sich mit einer sehr schwierigen Sache richtig gut fühlt, mit einer Sache die gewöhnlich viel Zeit kostet, dann geht sie schnell vorbei.  [1, 79].
Im Flow passt sich das Zeitgefühl der Aktivität an, der wir gerade nachgehen.

       
    g. Religionen        
      Elemente der Flow-Erfahrung kann man in der strengen Disziplin des frühen Protestantismus, in den Ordensregeln der Jesuiten und bei den frühen christlichen Mönchsorden wie etwas den Benediktinern entdecken. Noch leichter zu erkennen sind sie im Buddhismus und im Taoismus oder in den Anweisungen, die der Gott Shiva in der Bhagavad-Gita seinem Schüler Arjuna gibt. In einem Fernsehinterview wurde der Anthropologe Mel Konner einmal nach einer Erklärung dafür gefragt, warum jede Kultur eine Religion hervorgebracht hat und warum jede Kultur die Gottsuche betreibt. Seine Antwort. „Nicht Gott – sie suchen den Rausch des Lebens, sie wollen verstehen, was es bedeutet, am Leben zu sein“. [1, p.86]

       
    h. Bevölkerung        
      Umfragen der Gallup Organization in den Vereinigten Staaten und entsprechender Institute in Europa haben ergeben, dass zwischen 15 und 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung niemals Flow-Erlebnisse haben, während eine vergleichbar grosse Gruppe berichtet, täglich solche Erfahrungen zu machen. Die übrigen 60-70 tauchen nach eigenen Angaben mit unterschiedlicher Häufigkeit ganz in ihr Tun ein – manche nur einmal in Abständen von Monaten, andere mindestens einmal in der Woche.

       
    i. Musse und Geschichtliche Entwicklung        
      Früher war Musse nicht so angestrebt, meist gar nicht bekannt, Musse wurde aber auch nicht vermisst.
Viele Bauern arbeiteten 18 Stunden am Tag, diese verbrachten sie jedoch relativ ununterbrochen im Flow. [22]

       
    j. Positive Emotionen        
      Die „broaden-and-build-theory“ liefert ein evidenzbasiertes Framework, welches die folgenden Effekte zusammenhält.

1. „Broaden Effect"  
  [3, 37] Als „broaden effect“ wird der Effekt beschrieben, den positive Emotionen auf uns haben: Studien über Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wortfluss zeigen, dass Menschen unter dem Einfluss von positiven Gefühlen mehr Wahlmöglichkeiten haben, als sonst [40]. Eyetracking-Studien zeigen, dass wir unter dem Einfluss von positiven Emotionen eine breitere periphere Sicht haben (Gegensatz von Tunnelblick) – was den Menschen wiederum ermöglicht, mehr von ihrem Umfeld wahrzunehmen [41].
Andere Studien zeigen, dass Hirnschlagpatienten eine erhöhte visuelle Aufmerksamkeit haben, wenn erfreuliche Musik abgespielt wird, im Vergleich zu keiner, oder unerfreulicher Musik.

2. "Undo Effect“  
  [42] Als „undo effect“ wird der Effekt beschrieben, dass positive Emotionen die Auswirkungen von negativen Emotionen auslöschen können. (Beim Test wird die cardiovascularen Erregung gemessen).
Eine weitere interessante Beobachtung ist die, dass starke Störfelder (z.b. 9/11) die ganze Bevölkerung kurzzeitig stark herausfordern, dass aber die resilienten Menschen in der Langzeitstudie danach deutlich gestärkt daraus hervorgehen [3,38].
Und Resilienz ihrerseits kann gefördert werden durch den Fokus auf die positiven Aspekte. Resiliente Menschen sehen „Möglichkeiten“, wo andere „Hindernisse“ wahrnehmen.
Die körperliche Erregung (Herzschlag, Hormone) ist bei resilienten Menschen viel schneller wieder im normalen Bereich.

3. „Build Effect“  
  [3, 39] [43][44]: Positive Emotionen haben noch einen anderen Effekt, dieser wird „build effect“ genannt. Der „build effect“ baut, basierend auf häufigen positiven Emotionen die persönlichen Ressouren auf, welche die Menschen unterstützt die Herausforderungen und Möglichkeiten des Lebens zu ihren Gunsten zu nutzen.
Das äussert sich in einem langfristigeren Gefühl von Zufriedenheit mit dem Leben, oder, allgemeiner ausgedrückt, mit Glücksgefühlen.
[45] haben eine Untersuchung gemacht, in welcher sie eine Love and Kindness-Meditation über 7 Wochen angeboten haben. Das Ziel war Stressreduktion für die Teilnehmer. Die Datenerhebung hat klar gezeigt, dass die positiven Gefühle der Teilnehmer gestärkt wurden, darunter Beachtheit, Selbstakzeptanz, das Gefühl Sinn im Leben zu machen. Als Nebeneffekt wurden weniger Krankheitsymptome gemessen, als bei der Vergleichsgruppe. Die Depressionsanzeichen wurden ebenso weniger.

4. Langlebigkeit  
  Mehrere Langzeituntersuchengen zeigen, dass Menschen, welche die meisten positiven Gefühle Erfahrungen erfahren und ausdrücken wesentlich länger als solche leben, die das nicht tun, die Grössenordnung liegt bei etwa 10 Jahren. [46] [47]
Weiter zeigen Untersuchungen zur Langlebigkeit von Nonnen [46], dass die heiteren Nonnen wesentlich länger lebten, in Zahlen: 79% wurden 85 und 52% sogar 93.
zum Vergleich, die am wenigsten heiteren Nonnen wurden zu 54% 85 und nur 18% wurden 93.
Eine andere Untersuchung zeigt, dass Psychologen mit mehr Heiterkeit im Durchschnitt 5 Jahre älter wurden.
Glückliche Menschen haben auch bessere Immunsysteme [48].

5. Positiv-Verhältnis  
 

Es gibt Forschungen zum günstigen Verhältnis zwischen positiven und negativen Emotionen eines Menschen.[49][50].
Für jede negative Emotion, die uns herunterzieht sind mindestens 3 positive Emotionen zum Ausgleich nötig, die uns wieder in die Mitte bringen.
Aus der Presse kennen wir den Satz: Bad News are good News.
Die negativen Emotionen sprechen das Stammhirn an, welches die wichtigste Aufgabe hat: das Überleben zu sichern. Das Stammhirn übersteuert die höheren Hirnfunktionen.
Entsprechend braucht es mehr positive Gefühle, um das Stammhirn zu beruhigen.
Interessant ist nun die nähere Untersuchung:
Höchstperformante Teams (das bezieht sich auf Profitabilität, Kundenzufriedenheit, Vorgesetztenzufriedenheit, Zufriedenheit der Kollegen und der von ihnen geführten Mitarbeiter) hatten ein Verhältnis von 6:1
Weniger performante Teams hatten ein Verhältnis von 1:1. [51][43][52][53]
Auch was ein Individum betrifft, gelten die gleichen Gesetze: Eine Untersuchung von [53] zeigt, dass auch hier der Kipppunkt bei 3:1 liegt: Wenn dreimal mehr positive Emotionen  den Alltag bestimmen, als negative Emotionen, dann war das ganze Leben positiv.
Erfolgreiche Menschen haben ein Verhältnis von 3,2:1 bis 3.4:1.
Menschen, die sich als nicht so erfolgreich betrachten, hatten ein Verhältnis von 2.1:1 bis 2.3:1.
Auch auf privater Basis scheint es ganz ähnlich zu sein: Eine erfolgreiche Ehe hat ein Verhältnis von 5:1. Schwierige oder scheiternde Ehen haben ein Verhältnis von weniger als 1:1. 

Wichtig: Zu viel Positivismus kann hier schädlich sein: [Fredrickson & Losada, 2005] gehen von einer oberen Grenze von 11:1 aus, andere Quellen [Abraham, 2012] von 20:1. Beide Quellen legen nahe, dass ein gewisses Mass an an Negativität an Erdung nötig ist.
Es gibt gewisse negative Emotionen, die angemessen sind, und die sich durch ein entsprechendes Mass an positiven Emotionen balancieren lassen.
Andere tendieren dazu, uns zu überwältigen, bei diesen ist die Balance dann schwerer zu erreichen. Schuld kann in unserer Vorstellung oft korrigiert werden, indem wir unser Verhalten ändern. Bei Scham ist das schwieriger.
Hier spielen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle, die Massnahme, der Trend ist aber klar erkennbar.

Hier eine Übersicht über die Emotionen, die Höhe auf der Skala gibt auch einen Eindruck (nicht numerisch) über die Kraft des Ausgleichs, den er bringt, oder den er nötig macht:

The Emotional Scale

Die emotionale Skala

Joy/Appreciation/Empowered
/Freedom/Love

Freude / Wertschätzung / Gefühl von
Aktionsfähigkeit / Freiheit / Liebe

Passion

Leidenschaft

Enthusiasm/Eagerness/Happiness

Begeisterung / Eifer / Glücklichsein

Positive Expectation/Belief

Positive Erwartung / Glaube

Optimism

Optimismus

Hopefulness

Hoffnung

Contentment

Zufriedenheit

Boredom

Langeweile

Pessimism

Pessimismus

Frustration/Irritation/Impatience

Frustration / Irritation / Ungeduld

Overwhelment

Überwältigung

Disappointment

Enttäuschung

Doubt

Zweifel

Worry

Sorge

Blame

Schuldzuweisung

Discouragement

Entmutigung

Anger

Wut

Revenge

Rache

Hatred/Rage

Hass / Wut

Jealousy

Eifersucht

Insecurity/Guilt/Unworthiness

Unsicherheit / Schuld / Unwürdigkeit

Fear/Grief/Depression/
Despair/Powerlessness

Angst / Trauer / Depression /
Verzweiflung / Ohnmacht


Das Positv-Verhältnis kann auf die folgenden beiden Arten verbessert werden:

a) Den Dividenden vergrössern
(Offen sein, Neugierig sein, Freundlich sein, Veränderung begrüssen, Erwartungen loslassen, Schönheit finden, Freundlichkeit finden [55][3, 44])
b)

Den Divisor verkleinern
(Dinge etwas freundlicher beschreiben, Vergebungsübungen [Buddhismus], MitgefühlsübungHo‘oponopono [Dr. Ihaleakala Hew Len, Hawaii], The Work [Byron Katie], etc.)


Eine wichtige Einsicht in dieser Arbeit ist, dass es viele Wahrheiten gibt, und dass jeweils die Frage ist, welche der Wahrheiten uns das Positiv-Verhältnis stärken.

Die klinische Psychologie, speziell die Kognitive Verhaltens Therapie bringt viele Instrumente, die die Negativität verringern.

 

                                                            

       
    k. Wahl des Standpunktes        
     

Eine interessante Untersuchung von David Myers ist folgende: Myers hat die Artikel in den Psychologischen Zeitschriften nach Themengebieten über die letzten 124 Jahre untersucht. Interessanterweise handelten die meisten Artikel von die unerwünschten Zustände geschrieben worden (Depression, Angst, etc.) – und zwar in der exakten Reihenfolge ihrer Qualität:

781 on “courage”			20.868 on “fear”
1.021 on “joy”			31.019 on “prevention”
3.522 on “happiness”		65.531 on “anxiety”
4.129 on “life satisfaction”		79.154 on “depression”
9.760 on “anger”			207.110 on “treatment”

nach: David Myers (2003): Negative versus positive topics
in psychology journal articles 1887 to 2001

Diese Reihenfolge korrelliert genau mit unserer biologischen Art zu denken: Den Fokus auf die schlimmsten Dinge zu richten, weil uns die gefährlich werden könnten – so war es zumindest in der Savanne.
Wenn wir aber zielorientiert durchs Leben navigieren wollen, dann ist es genau umgekehrt – oder sagen wir, zumindest zu einem grossen Teil umgekehrt (Positiv-Verhältnis), dann ist die zielführende Frage: „Wo willst du hin?“.
Und weil diese Frage so massiv vernachlässigt wird, widmen wir uns der entschieden!
In der obenstehenden Tabelle wird die Frage nach dem Beseitigen eines Missstandes zwischen 3 und 300x häufiger gestellt, als die zielführende Frage.
Die gute Frage ist nicht „how have you been?“ oder „Wie geht es Dir?“, sondern: „Wo willst Du hin?“. Dieser wollen wir folgen.
Die bessere Frage ist nicht: „Was läuft schief?“, sondern „Was läuft gut?“ – Wenn wir uns die genug häufig stellen, wird unser Fokus, unser Bewusstsein, unser neuronales Netz in dieser Frage immer stärker, die Wahrnehmung besser, die Gefühle besser und tragender. Eine positive Lawine wird ausgelöst, die aufbauend wirkt und erhebend. [Abraham]

       
    l. Interventionen gemäss Positiver Psychologie        
     
  • Fordyce war einer der Ersten, der erforscht hat, wie man Glück durch absichtliche positive Handlungen stärken kann.[56][57]
    Fordyce hat in einer Serie von Klassenzimmer-Studien seine Studenten angewiesen, ihr Verhalten dem von sehr glücklichen Menschen anzugleichen.

    Die so angewiesenen Studenten erlebten über mehrere Wochen immer längere Phasen von Glück und weniger störenden Einfluss durch depressive Symptome, als Studenten in der Vergleichsgruppe.
    Die massgeblichen Verhalten, die sie anstrebten waren:
    - enge Beziehungen zu stärken
    - optimistisches Denken zu stärken
    - sinnvolle Arbeit zu tun
    - (zufällige) freundliche Taten
    - Dankbarkeit kultivieren

    Übersicht nach Wirksamkeit, stärkere zuerst: [58][59]
    1) Persönliches Coaching (am meisten Aufmerksamkeit)
    2) Gruppencoaching
    3) Persönliche Arbeit ohne Coach
    4) Gar keine Aktion

    Interventionen:

    1 Optimismus
      Eine einfache aber sehr kraftwolle Massnahme, die positive Stimmung zu heben ist sich als das „beste mögliche Selbst“ in der Zukunft zu sehen.
    In einer Studie, die über 4 Tage ging, wurden die Teilnehmer beauftragt, sich vorzustellen, „dass alles so gut gegangen sei, als das nur möglich sei“  [23]. Die Testpersonen hatten einen grösseren Impuls zu positiven Gefühlen als diejenigen der Kontrollgruppe. Zusätzlich hatte diese Massnahme einen deutlichen Einfluss auf die Gesundheit (beobachtet über einen 5-Monate Zeitraum).
    Noch viel beeindruckender sind vergleichbare Ergebnisse einer Studie, bei der die Teilnehmer nur 2 Minuten geschrieben haben – über 2 folgende Tage! [24]
    In einer Studie über 4 Wochen beobachteten die Teilnehmer, welche sich ihre beste Projektion vorstellen und darüber schrieben einen sofortigen Einfluss auf ihre positiven Gefühle [25]. Dieser Einfluss hat über 4 Wochen angehalten. Sie schrieben nicht mehr als 15 Minuten pro Woche. Und der starke Einfluss war selbst noch 6 Monate nach Ende der Studie deutlich messbar.

    2 Freundlichkeit
      Es gibt insofern eine klare Verbindung zwischen Freundlichkeit und Glück, als glückliche Menschen sich viel mehr in sozialen Aktivitäten investieren. [26][27].
    Um dies experimentell zu testen, haben Dunn, Aknin und Norton [28] folgendes Experiment gemacht: Sie gaben den Testteilnehmern Beträge zwischen 5$ und 20$ und damit verbunden den Auftrag, das Geld für sich selbst oder für Andere auszugeben. Eine typische Investition waren Spielzeuge für Geschwister oder ein Essen für einen Obdachlosen.
    Ein Vergleich mit der Kontrollgruppe hat ergeben, dass diejenigen, die für andere Investierte hatten, also freundlich waren, glücklicher waren.
    Interessanterweise hat dabei der investierte Betrag keinen Unterschied gemacht.  Es hat jedoch einen Unterschied gemacht, wie viele freundliche Taten sie ausgeführt haben: je mehr, desto besser.
    Einige interessante Beobachtungen am Rand:
    - 5 Taten am gleichen Tag haben einen wesentlich grösseren Impact, als 5 Tagen über die ganze Woche verteilt.
    - Es gibt einen Gewöhnungseffekt: Neue Taten haben einen stärkeren Effekt, als gewohnte Taten.

    3 Dankbarkeit
      In einer Studie [29] wurden die Teilnehmer angewiesen, Dankbarkeitslisten zu erstellen.
    Dazu zählten z.B. Dinge wie „Dankbarkeit zu Freunden“, „Dankbarkeit zu Gott, für meine Entschiedenheit“, „Danke an meine Eltern“.
    Die Teilnehmer waren angewiesen, jede Woche solche Listen zu erstellen, über 10 Wochen, oder alternativ, täglich für 2-3 Wochen.
    In Verhältnis zur Kontrollgruppe zeigten Teilnehmer eine grösseres emotionales Wohgefühl (emotional wellbeing), weniger Krankheitssymptome, und Verbesserung ihres Gesundheitszustandes. Im weiteren war auch ihr Schlaf besser, sie fühlten sich verbundener mit der Gruppe.
    Abnutzungseffekt: Eine interessante Beobachtung betrifft auch hier die Frequenz: Der Effekt wurde schwächer, wenn die Übungen 3x pro Woche ausgeführt wurden, als wenn sie nur einmal die Woche ausgeführt wurden.
    und Wirkung von intrinsischer Haltung / Absicht:  Die Arbeit zeigte nicht für alle den gleichen Effekt. Sie zeigte für diejenigen den stärksten Effekt, die mit Effort dahinter gingen, und die wirklich glücklicher werden wollten! Auch haben die am meisten profitiert, die nach offiziellen Ende auf eigene Faust weitergemacht haben.

    4 Meditation
      Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness Meditation) beinhaltet absichtsvolle, nichtwertende Bewusstheit und akzeptiert alles, was ist - diese Haltung wird auch als Beobachterposition bezeichnet. [30].
    Interaktionen mit Achtsamkeitsmeditation steigert das Wohlbefinden, erhöht den physischen und psychischen Distress bei Patienten mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom [31], Fibromyalgie [32], rheumatischer Arthritis [33], Traumatischer Hirnverletzung [34] und anderen chronischen Erkrankungen und Stressoren [35].
    Achtsamkeitsmeditation wurde auch erfolgreich bei therapieresistenten Individuen eingesetzt [36] und führte zu Verringerung von endlosen Gedankengängen (Rumination), Rückfall in die Depression [37]
    Im weiteren zeigen Untersuchungen, dass die Loving-Kindness-Meditation Deppressionssymptome verringert und die Lebensfreude durch vergrössern der persönlichen Ressourcen erhöht [38].
            

 

       
    m Sinn        
      Die meisten Religionen und philosophischen Systeme lehren, dass das tätige Bemühen um das Wohl anderer Menschen die höchste Manifestation der menschlichen Natur oder Seele sei. Die Caritas gehört zu den christlichen Kardinaltugenden und geniesst unter analoger Bezeichnung auch im Buddhismus, im jüdischen Glauben, im Hinduismus und im Islam eine Vorrangstellung. Unter den Vertretern der jüngeren Philosophie war es Martin Heidegger (1962), der zu diesem Schluss kam. Siehe auch die gewichtige Abhandlung der Psychologen Ann Colby und William Damon (1992): Some do care. [1, 294]